02.25
„Was ist das Ziel ihrer Reise?”
„Anzukommen, hoffe ich.”
„Wo möchten die denn ankommen?”
„Das wüste ich auch gerne! Ich habe das Gefühl schon mein ganzes Leben unterwegs zu sein. Immer in Bewegung und nie sind meine Gedanken lang genug an einem Ort um wirklich zu verweilen. Ich fühle mich getrieben, ich muss immer wissen, was hinter dem nächsten Hügel, Berg oder Felsen ist.”
„Vielleicht haben sie nur nicht den Ort gefunden, der ihnen all das gibt was sie suchen. Wenn sie ihn gefunden haben kommen sie sicher zu inneren Ruhe”
„Sollte ich dafür nicht wissen was ich suche? Wenn man nicht weiß was einem fehlt, wie sollte man ein Gefühl dafür bekommen, was man braucht um zur Ruhe zu kommen? ”
„In dem man nicht darüber nachdenkt, was hinter dem nächsten Hügel, Berg oder Felsen ist und sich den Dingen hingibt die diesseits des Horizontes liegen”
„Und wenn diese Dinge mich langweilen oder mir nicht gefallen?”
„Ich denke, wenn sie dieses oder jenes langweilig finden, so haben sie es noch nicht in all seinen Facetten betrachtet, um sich dafür faszinieren zu können”
„Könnte es nicht sein, dass es mich langweilt weil ich es aus allen Blickwinkeln betrachtet habe? Verliert eine Sache nicht dann ihre Faszination wenn man glaubt alles darüber zu wissen? Oder wenn all das, was einem relevant erscheint bereits aufgedeckt und durchdacht wurde? Verzeihen sie, wenn es so klingt als ob ich mich vor ihnen spreizen möchte, ich will damit nicht behaupten alles Wissen dieser Welt in mich aufgesogen zu haben, auch wenn ich manchmal das Gefühl habe, es erscheint mir als einzig erstrebenswert. Aber manchmal flüstert mir das Gefühl, es würde nicht mehr hinzu kommen und meiner übersättigten Welt lässt sich nichts mehr hinzufügen. Gleich einem winzig kleinen Glas voll Wein, welches nicht in der Lage ist den restlichen Geist aus der Flasche in sich aufzunehmen Ich wünschte dann das Glas würde sich leeren lassen und ich könnte es wieder mit einem Strom aus Erfahrung und Erkenntnis füllen Es wäre mir gleich ob dieser Tropfen süß oder bitter schmeckt, so langer sie voller Kraft und Aroma die Sinne reizen.”
„Auch wenn sie mir nicht so erscheinen, das angemessene Alter für so eine Sättigung erreicht zu haben, so muss ich doch zustimmen, dass wir Menschen mit der Zeit die erkannte Welt aus unserem Archiv an Erfahrungen zitieren, sobald wir glauben, es würde auf diesen oder jenen Aspekt gerade gut passen Doch leider macht das zitieren einer vermeintlich interessanten Passage, sei es aus einem Buch oder dem Leben die menschliche Natur träge oder stumpft ihn sogar ab. Nichts ist für mich langweiliger, als meine Zeit in Gesellschaft jener Zeitgenossen zu verbringen, die zu jeder Gelegenheit aus einem bekannten Stück zitieren können und dies auch jedem zeigen müssen. Kennt man selber die aufgebackenen Worte, so sind sie im besten Fall langweilig, bei bereits mit den eigenen Gedanken abgeklärt und durchdacht. Hört man sie dagegen zum ersten Mal, so mögen sie vielleicht interessant erscheinen, doch machen sie nicht neugierig auf die Person welche diese Worte nur nachplappert. Er bleibt nur Übermittler der Gedanken anderer. Auch wenn ein Papagei gut unterhalten mag, sind die gekrächzten Worte die Gedanken anderer. Und selbst wenn wir nur uns selbst zitieren, ist es nur der Abklatsch eines Lebens, das wir mal führten. Der Mensch erstarrt zu einem Abbild, welches sich immer mehr von seinem tatsächlichen Lebenswandel entfernt. Es degeneriert die Seele im Stillstand wie auch die Zeichnung von etwas fließendem nichts weiter ist als erstarrte Bewegung Vielleicht ist es daher vollkommen angemessen, wenn sie selbst immer unterwegs sind, weil sie fürchten innerlich zu erstarren. Auch denke ich, dass getriebene Menschen wie sie entweder vor etwas fliehen oder etwas hinterher jagen, so wird eines Tages der Moment kommen an dem diese Jagt ihr Ende gefunden hat und sie die Welt von dem Vorgarten ihres Hauses betrachten können und immer noch etwas neues entdecken werden. Sind wir doch mehr als einfache Behälter voller Wein, weil der Mensch ungleich komplizierter als ein Glaskelch ist. Es gibt oft Situationen in denen wir glauben es würde sich nichts entwickeln oder alles wäre festgefahren. Aber wenn man die Sinne nicht verschließ und der Geduld ihren Raum lässt, so kann auch ein ganz kleines Moment etwas Großes in Gang bringen”
