02.11
Heute unter dem Motto: Seit dem Bildblog nicht nur über Bild blogt, ist ihr metakritischer Mehrwert auf interjounalistischer Ebene der Topographische Anatomie der deutschen Medienlandschaft deutlich überreferenziel.
Entlarven ist gerade sehr in Mode. Es wird einem auch nicht schwer gemacht. Alice Schwarzer entlarvt zum Beispiel Bushido als “kleinbürgerlicher Spießer, der die echt Verzweifelten abzapft”. Der versucht grade seinen memorialfilm “Zeiten ändern dich” ein wenig zu promoten. Weil der so schlecht ist, dass man echt verzweifelt ist, wenn man bereit ist sich das Machwerk anzusehen. Diejenigen Armen Sünder die es getan haben, wissen nun: “Denken spielt im künstlerischen Schaffen Bushidos eine untergeordnete Rolle.”
Anderswo wird man erstmal grundlos hochgejubelt. Im F-Teil der Zeitungen zum Beispiel, insofern man eine junge weibliche Autorin ist die ein belangloses, handlungsfreies Buch voller verdrehter Sprachattitüden und etwas Sex oder anderen Schweinereien zu Klopapier gebracht hat. Letztes Jahr hies so ein Buch, glaube ich, “Feuchtgenietet” diesmal “Xocolatl RoadMüll”.Oder so…
Jedenfalls stellt sich heraus, das Traktat ist in großen Teilen geklaut, ein Plagiat, abgekupfert, nachgebaut und fremdbefedert. Und so entlarven sich die F-Redaktionäre in einem Eiertanz der Eitelkeiten, dass sie in ihre selbstgefällige Unfähigkeit „von der Urheberrechtsdebatte im Internet ebenso wenig verstehen, wie von guter Literatur“.
Man könnte das schon als ein harmloses Beispiel von Autozensur sehen, wie es Peter Phillips seit langer Zeit anprangert. Qualitätsjounalismus wird eben immer mehr zum urbanen Mythos.
Die FDP ist ebenfalls auf dem besten Weg dahin. Also zum Mythos einer wohlfeilen Partei. In der öffentlichen Meinung schon fast wieder an der 5 Prozent Marke hat sie es geschafft in nur 100 Tagen ihr “Standing zu halbieren”. Das muss nicht verwundern, die Minister geben wirklich alles zur eigenen Demontage. Guido Westerwelle fragt aus aktuellem Anlass:” Was sagt eigentlich die Kellnerin mit zwei Kindern zu Forderungen, jetzt rasch mehr für Hartz IV auszugeben?” denn”Wer kellnert, verheiratet ist und zwei Kinder hat, bekommt im Schnitt 109 Euro weniger im Monat, als wenn er oder sie Hartz IV bezöge.” Das lässt sich eigentlich umstandslos beantworten:Wäre ich eine Kellnerin mit zwei Kindern würde einen einheitlichen Midestlohn fordern. Das sieht die “Arbeit muss sich wieder lohnen” Partei natürlich ganz anders. So nehmen sie denn lieber den Armen und geben es Mövenpick.
Und wer will holt sich jetzt ein Eis.
