2009
12.18

Aufstieg und Fall

Zugegeben, ich hatte es vorausgesagt.

Aber dass der schwarze Baron so schnell auf dem Boden aufschlägt, überraschst mich schon. Alle Kritik war bisher an seinem herrschaftlichen Auftreten  abgeperlt. Warum er sich aber so offensichtlich in die Feuerlinie seiner Gegner begeben hat ist mir doch sehr unklar. Das Amt des Verteidigungsministers von Jung zu übernehmen, der einen offensichtlichen Scherbenhaufen hinterlassen hatte.

Zu dessen Unglanzzeit haben es ja schon die Spatzen von den Dächern gepfiffen wie gefährlich das Afghanistan-Abenteuer ist und wie wenig es Jung im Griff hatte.  Schon seine Abschussparole für entführte Linienflugzeuge, vom Verfassungsgericht explizit verboten, hat bei der Truppe für Insubordination gesorgt. Die Behauptung, der Afghanistaneinsatz wäre alles nur kein Krieg, ist ebenso weltfremd wie dumm gewesen. Es war also klar, wer sich auf dem Stuhl von Jung landet, sitzt auf einer Bombe. Einem alten Politveteran wie Schäuble hätte das ganze nur ein paar Kratzer gekostet. Wer schon Schwarzgeldaffären stur ausgesessen hatte an denen ein Jung seinen Hut nehmen musste ist dafür genau der richtige.

Aber Schäuble wurde für das Finanzministerium eingeplant, was nur bedeuten kann, dass die Lage dort noch schwieriger ist als die in Afghanistan. Die schwachsinnigen Steuererleichterungen trotz gewaltiger Schulden und gesetzlich festgelegter Schuldenbremse sind da nur ein Vorgeschmack. Allein schon diese Schande sollte die Regierung Merkel in die Luft jagen, wäre nicht Schäuble.

Dass nun also Guttenberg den Kriesenjob als Verteidigungsminister übernommen hat kann nur zweierlei bedeuten. Erstens, es wusste wirklich niemand in der Regierung, wie schlecht Jung den Laden im Kriff hatte und ersetzte ihn blind. Zweitens, man wollte dem Aufstieg von Guttenberg ein Ende setzten. Immerhin gab es schon Gerüchte, er würde Seehofer vom CSU-Thron schmeißen. Das konnte selbst Merkel nicht Recht sein. So oder so, es zeigt sich die politische und soziale Naivität des jovialen Aufsteigers. Was bleibt ist die Frage, wie er jetzt aus der Situation heraus kommt.

Es bleibt spannend.