2009
10.28

Das Fernsehsterben

Preisfrage: Woran erkennt man, dass ein Medienunternehmen kurz vor dem Exitus steht?

Sie wollen nur noch Bezahlangebot bieten. Normalerweise sind es Zeitungverlage, die mit diesen Ankündigungen bezüglich ihres Webangebotes von sich reden machen … und sonst nix. Bisher hatte man wenig Erfolg, dem Kunden für schlechte Inhalte Geld abzuknöpfen. Allein ARD und ZDF haben das staatlich sanktionierte Monopol für Webwegelagerei. Diesmal ist es Sat.1, ProSieben und Kabel 1. Nicht etwa mit ihrem Internetangebot, nein sie wollen exklusives Bezahlfernsehen.

Spon hat natürlich auch einen passenden Eye-Catcher, das Zugpferdchen der Nutzungsgebühr. Für die würd ich ja schon zahlen, aber nicht fürs zuschauen.

„Die Richtung ist für uns klar: Wir müssen vom Werbemarkt unabhängiger werden” sagte der Vorstandsvorsitzende und verschweigt, dass die Werbeblöcke immer kürzer werden, so extrem ist die Zahl der Werbekunden eingebrochen.  Es fließt einfach kein Geld mehr für den Mist, den sie im Fernsehen bringen und dann hoffen die ernsthaft,  jemand bezahlt freiwillig dafür, sich das anzuschauen? Wo man sich audiovisuellen Mist inzwischen bei youtube und Konsorten in fullHD anschauen kann.  Diese Auflösung bietet bisher auch noch kein Fernsehsender an.

Sucht euch schon mal einen angemessenen Friedhof, auf dem ihr eure Fernsehsender beerdigen könnt.

2009
10.26

Verbalsalat

Aus unserer beliebten Serie, die Titanic ist unsinkbar Qualitätsjounalismuss muss sich nicht mit Blogs auseinandersetzen, um sich darüber zu äußern, ein Artikel über die neuste Netzkrankheit:

“Ich gestehe, ich bin kein Blog-Leser oder Verfasser, und deshalb auch nicht in der Gefahr, der Blogorrhoe zu erliegen.”

Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten?!

“Und als Lohn für Erkenntnisgewinn, Lese-, Hör- und Zuschauvergnügen kaufen wir Zeitungen, bezahlen wir freudig die GEZ-Gebühr. Das ist unser Bekenntnis zum Qualitätsjournalismus.”

Das ist ein sehr infantiles Bekentnis. Nein, ich korrektiere mich, es ist einfach nur dumm!

“Wird die Qualitätspresse mit ihren Kommentaren und Meinungsseiten kampflos den Bloggern übergeben?”

Ein Wort: Regividerm

” Zugegeben, die apokalyptische Vision vom Untergang des Journalismus ist noch etwas verfrüht. “

Es ist keine Vision sondern schon Realitiät. Sie tropft aus den Worten eben Deines Artikels.

“Ist das die vollkommene Demokratisierung in den digital verbreiteten Medien? Ist das, in freier Abwandlung zu „jeder ist ein Künstler“, die Schlussfolgerung, jeder wäre in seiner Bloggerexistenz schon ein Publizist, Kommentator, Meinungsbildner?”

Ja, denn Du hast eben nicht mehr die Deutungshoheit über meine Informationen. Und auch kein Monopol über das Produzieren von Inhalt. Es ist … Demokratie wie sie sein sollte.

“Welche ethischen, letztlich juristischen Grenzen, zum Beispiel bei öffentlicher Jagd auf Andersdenkende, Andersrassige, Andersgläubige wird es noch geben, wenn Blogs aus dem Ruder redaktioneller Filterung laufen und zu Sammelbecken von zunächst anonymen geistigen und politischen Finsterlingen werden?”

OK für die Internetprekariaten unter Euch. Internet ist nicht anonym, nicht rechtsfrei und vor Allem

- und aus Prinzip -  ohne redaktionellen Filter!

“Lassen Sie sich nicht beirren von Schreckensmeldungen, die uns aus der digitalen Zukunft erreichen! “

“Wir sind die Blog. Sie werden assimiliert werden, Widerstand ist zwecklos.”

“Noch leben wir im Zeitalter analog raschelnden Papiers, noch gibt es Redaktionen, die Vertrauen in Ihre Arbeit setzen, noch gibt es Ihre Courage, sich mit dem Ergebnis einer brisanten Recherche und unter vollem Namen – und mit langem Atem – um Kopf und Kragen zu schreiben.”

Die Frage ist, wie lange noch?

2009
10.26

Madame Merkels Gruselkabinet

Die neue Bundesregierung hat also ihre Postenverteilung für die nächsten 4 Jahre bekannt gegeben.  Schauen wir uns mal ein paar Wachsfiguren aus dem Gruselkabinet an.

  • Bundeskanzlerin - Angela Merkel: Viel Präsens, wenig Substanz! Eine Wolke aus hohlen Phrasen. Yo!
  • Außenminister - Guido Westerwelle:  Hat sich sicher gedacht, er könne endlich mal die Welt außerhalb des FDP-Tellerrands sehen. Er wird sicher überrascht sein, zu erkennen, dass es kein Disneyland ist da draußen.
  • Finanzminister - Wolfgang Schäuble: Wir erinnern uns, DER Wolfgang Schäuble, der sich mal mit einem Waffenhändler getroffen  und vergessen hat, dass er 100.000 Mark annahm. Der auch mal vergaß, dass er 100.000 Mark in bar in der Schublade hatte. Dem vertrauen wir natürlich gerne unsere Steuern an! Naja ok, Merkel vertraut ihm unsere Steuern an! Und um noch mal auf seine Kernkompetenz zu verweisen, Schäuble ist ein versierter Jurist. Deswegen landen so ziemlich alle seine Gesetzesvorlagen vor dem Bundesverfassungsgericht. Was kann DER schon im Finanzministerium falsch machen?!
  • Arbeits- und Sozialminister: Franz-Josef Jung:  Der Mann, der bisher die Bundeswehr vor gefährlichen Zivilisten beschützt hat! Der Mann, der 3 Tage lang die Bombardierung von im Sand festgefahrenen Tanklastern als militärisch notwendig verteidigt hat, weil sie eine Gefahr für eine Armee mit dem sechstgrößten Militärbudget sein sollen.  Yo! Der Mann, der Zivilmaschinen im Terrorfall präventiv abschießen lassen will, obwohl das Bundesverfassungsgericht  ihm das explizit verboten hat. Die Kampfpiloten haben ihm daraufhin sicher auch gleich mal den Vogel gezeigt. Gut, dass sich der Mann jetzt um die Schwachen unter uns kümmert. Am Besten mit Hilfe der Bundeswehr!
  • Familienministerin - Ursula von der Leyen: Ignoranz, Unwissenheit und Ideologie sind die besten Voraussetzungen für ne steile Karriere. Nichts erreicht und immer noch auf demselben Posten. Bravo!
  • Entwicklungshilfeminister - Dirk Niebel: Der Mann, der vor der Wahl das Ministerium abschaffen wollte. Weil es unnütz ist. Da ist er natürlich genau der Richtige für einen Posten der  …  unnütz ist. Aber das würde ja auch Dirk Niebel als … unnütz deklarieren?
  • Kriegsminister ähhh Verteidigungsminister -  K.T.M.N.J.J.P.F.J.S. Freiherr zu Guttenberg: DER Liebling des Volkes. Ich mag ihn ja nicht besonders, aber ich mag ihm eine Chance geben. Ohne Chance auch keine Möglichkeit zur Blamage. Und was haben sich seine Vorgänger auf dem Posten des Verteidigungsministers lächerlich gemacht! Siehe Franz-Josef Jung, Peter Struck und besonders Rudolf Scharping. Sicher war es die Strategie von Merkel und Seehofer, ihn auf die Position wegzuloben, damit er ihnen nicht mehr in die Quere kommt. Brillieren kann er weder in Afghanistan noch an der Heimatfront und den Unmut des Volkes holt man sich auch schnell mit einer unbedachten Aussage. In den Umfragewerten fliegt er ihnen eh schon davon. Schauen wir mal,  ob sie sich damit nicht verrechnet haben. Ich wette, dass Seehofer noch in dieser Legislaturperiode von ihm entmachtet wird. Guttenberg ist in der Tat der Einzige, dem ich so Einiges zutraue.
2009
10.23

JackAss Nachtrag

Ahhh, Jack Wolfskin hat die bittere Internetpille geschluckt und rudert jetzt halbherzig zurück. Ab morgen wollen sie alles besser machen, ganz ehrlich. Ab morgen werde ich bei euch aber auch nichts mehr kaufen, ganz ehrlich!

2009
10.22

Alice is back in chains

Es gibt ja viele Lesearten von Alice im Wunderland. Es gibt viele nette Verfilmungen.
Aber es gab nur ein Spiel:

American McGee’s Alice

Der interaktive Alptraum. Krank, verückt, beängstigend und psychotisch. Etwas für einsame Nächte, in denen einem nach Schock und Gänsehaut ist. Eine Alice, die mit Küchenmesser ihre Gegner in zwei Teile hackstückelt. Ein sadistischer mechanophiler Hutmacher. Killerpilze…

[in Träumen schwelg]

Was? … Wie? American McGee arbeitet am 2. Teil?

Meine Träume werden Wirklichkeit!

2009
10.20

Boykottausruf

Ich war ja noch nie ein besonderer  Markenfetischist und meistens eher peinlich berührt, wenn übergroße Logos die Bekleidung  verunstalten.  Inzwischen ist mir das Thema ja vollkommen Wurscht, aber manchmal gibt es so Fälle, da kann man schon mal etwas Anti werden.  Immer wieder ein aktuelles Beispiel: Jack Wolfskin. Früher mal ganz nett gewesen,  wurden sie von einer Investment Gesellschaft gekauft und müssen  daher jetzt einen auf Arsch machen.  Außerdem haben sie erkannt, wie wichtig der Ruf der Marke ist und sind dabei, den Eigenen systematisch zu zerstören. Dabei helfen wir natürlich gerne. Also, mit sofortiger Wirkung wird Jack Wolfskin boykottiert!  Für die TAZ, für die dawanda-leute, für die unterbezahlten Näherinnen in Vietnam und für immer!

Also ihr Tazmahner … tschüss, macht’s gut und habt mich kreuzweise!

2009
10.20

Wie das mit dem Hochwertigen Journalismus funktioniert zeigt der informative Artikel in der bezahlten Handpuppe Focus.

Titel:

Die Mär vom Ende des Ölzeitalters

Moment, alles redet doch von Peak Oil und horrenden Preisen und überhaupt und so. Stopp the Press! Was ist passiert?

Erstmal nichts, denn die erste Hälfte des Textes besteht nur aus niedlichen Anekdoten der Ölgeschichte. Das ist zwar nett, aber unter Fakten und knallhart recherchiertem Journalismus verstehe ich echt was Anderes. Nun denn, ab dem zweiten Teil bringen sie was Relevantes:

“Seit einigen Jahren und vermehrt in den vergangenen Wochen und Monaten melden immer mehr Ölsucher immer neue Funde. Nicht irgendwelche Felder, sondern gigantische Öllagerstätten. “

OMG, Gigantische Ölreserven!!!! Rollback the Downsizing!!!!! I want my SUV back!!!!

“Den Anfang machte Brasilien, wo der staatliche Ölkonzern Petrobras und einige Partner zwischen 2006 und 2008 in mehreren Feldern im Santos-Becken Reserven von 16 Milliarden Barrel Öl entdeckt haben. “

“Rund 5 Milliarden Barrel förderbares Öl könnte das Tano-Becken vor der Küste Ghanas und Sierra Leones beherbergen. Weitere 1,6 Milliarden Barrel liegen möglicherweise auf der anderen Seite des Kontinents.”

Gigantisch ist daran allein die Übertreibung.

Ghawar, das größte Ölfeld der Welt in Saudi Arabien hat eine noch geschätzte Reserve von 70 - 160 Milliarden Barrel. Derzeit werden daraus  5 Millionen Barrel pro Tag gefördert, was 6.25% der Weltförderung sind. Saudi Arabien hat angegeben, dass es um 8% pro Jahr an Förderleistung nachlässt, weil bereits mehr als die Hälfte des Öl ausgebeutet wurde.  Und dieses Feld existiert seit 1948! Dagegen sind die neuen Funde alles andere als … mäßig groß?

Das scheint dem Schreiberling dann auch im Laufe des Textes aufgegangen zu sein, weshalb er mal eben im letzten Absatz zurückrudert und jemand mit mehr Sachverstand zitiert:

“Alle neuen Funde sind nicht einmal in der Lage, die langsam versiegenden Ölquellen auch nur zu ersetzen, geschweige denn die heutigen Reserven zu erhöhen. Außerdem liegen sie fast alle mehrere tausend Meter unter dem Meeresboden und sind daher sehr teuer zu erschließen. „Das Öl im Golf von Mexiko kommt frühestens in acht Jahren auf den Markt, das aus Brasilien in 15 Jahren”, ist sich Steffen Bukold sicher, „bis dahin haben wir den Oil Peak längst hinter uns”.”

Leider hat der Schreiberling vergessen, seine dummdämliche Überschrift zu ändern in:

Kräht der Journalist auf dem Mist, ändert sichs Wetter oder bleibt wie es ist.