2009
07.06

Monsterkrümel

Das ist das Atomkraftwerk Krümel. Klingt voll lustig, ist es aber nicht! Warum das so ist, erkläre ich euch jetzt. Das Krümelmonster gehört dem Onkel E.ON und dem Onkel Vattenfall. Die machen damit pro Betriebstag angeblich eine Million Euro Gewinn, also voll viel Geld. Toll!

Aber Moment, war da nicht was? Stand der Reaktor nicht nach einem Transformatorbrand 2007 zwei Jahre lang still? Stimmt, stört aber die Onkels nicht! Die sollen nämlich für jeden Reaktor 500 Millonen Euro Rückstellungen machen, die sie später für die Verschrottung des verstrahlten Reaktors aufwenden sollen. Und damit das den Onkels nicht weh tut, müssen sie dem lieben Vater Staat keinerlei Steuern dafür zahlen. So machen die Onkels nicht nur was mit Strom, sondern haben sozusagen eine Offshore Bank im eigenen Hause. Das ist eigentlich nicht ganz fair, dafür aber ganz legal. Die gewitzten Onkels haben eben schon immer gute Verbindungen zum Vater Staat. Deswegen tut es auch mal gar nicht weh, wenn der Reaktor gelegentlich nicht läuft, ist ja eh nur ein Nebengeschäft. Und das mit dem einen Transformatorbrand ist jetzt endlich ausgestanden, oder?

Zu dumm, daß zwei Wochen nach Inbetriebnahme der andere blöde Transformator auch irgendwie nicht will. Das hat uns alle sehr überrascht, sogar die Onkels waren so baff, daß sie das erstmal nicht dem Vater Staat gemeldet haben, was sie eigentlich müssten. Aber der Onkel Vattenfall, der ist auch ein toller Geschichtenerzähler, besonders die lustigen Märchen sind so sein Metier. Am liebsten hören wir immer die Geschichte von den co2- freien Uranbäumen, auf denen die Kernbrennstäbe wachsen sollen. Sehr lustig, wirklich! Auch immer wieder gern gehört ist die Geschichte von der schon lang gelösten Atommüllentsorgung. Da halten wir uns vor Lachen immer die Bäuche. Zugegeben, die Mär von der ungefährlichen Atomkraft ist jetzt nicht wirklich lustig. Wo sich auch noch eine ungeklärte Häufung von leukämiekranken Kindern gerade um das Krümelmonster gebildet hat. Aber nicht schlimm, so lange niemand einen kausalen Zusammenhang nachweisen kann, fahren die Onkels das Prinzip Titanic. Wir sind zwar in einer Zone mit Eisbergen, aber so lange man keinen sieht, bleiben wir bei Volldampf voraus. Vater Staat bekommt von den Bürgerwellen der Empörung zwar etwas Bauchschmerzen, aber lauscht immer noch den Onkels, die an seinen Ohren hängen und etwas von Brückentechnologie säuseln.

Brückentechnologie. Ein tolles Wort!

Haben sich nämlich die beiden Märchenonkels ausgedacht. Weil „Renaissance der Atomkraft“ konnten sie dem dummen Wählerpöbel nicht verkaufen. Die sind auch voll blöd, diese Wähler. Da wurden E.on und Vattenvall zu richtig bösen Onkels. Nun wollen sie mit ihrer Technologie eine Brücke über den Styx bauen. Dann kann der Fährmann seinen Laden zu machen und sie kassieren dafür die Maut zur Unterwelt. Da ist ja schon immer reger Verkehr gewesen. Wird bestimmt ein todsicheres Geschäft!

2009
07.02

Undifferenzierte Diagnose

Seitdem die Piratenpartei an der Europawahl teil genommen hat, steht sie nun in einem besonderen Interesse der … sagen wir mal alten Medien. Dabei ist nicht nur die Bildzeitung in ihrer Berichterstattung erwartungsgemäß unterirdisch, nein selbst in Blättern, die sich noch offen mit Qualitätsjournalismus meritieren. Heute hat also die Zeitung der Zeit einen neuen Beitrag über das Thema mit dem Titel: „Die Piraten werden politisch“ veröffentlicht. Gern würde ich euch einen Link zu diesem Artikel präsentieren, aber leider gibt es ihn anscheinend nur auf Papier und nicht auf www.zeit.de. Was schon einiges an Aussagekraft hat über die Qualität des Artikels hat. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als ein paar Sätze raus zu picken und angemessen auf meine besonders charmante Art zu würdigen.

Der Autor schafft auch es schon im 2. Absatz den üblichen Unsinn über die Piraten von sich zu geben:

  • “Den Piraten geht es … um die Abschaffung geistigen Eigentums, also um das Recht, Musik, Filme oder Texte kostenlos zu kopieren“.

Ein wenig mehr Investigation im Parteiprogramm hätte aufgezeigt, das hier mitnichten das geistigen Eigentum einfach so abgeschafft werden soll. Wahrscheinlich ist es auch zu viel verlangt, dem Leser die feinen Unterschiede zwischen Urheberrechte, Verwertungsrechte und Kopierrechte zu erklären. Stattdessen wird man schon im nächsten Satz sehr Metaphilosophisch:

  • „Übersetz für uns ältere: ein wenig Proudhon (Sozialismus), versetzt mit Bakunin (Arnachie) und Foucault (Sympathie für Abweichungen)“

Jetzt sind wir auch nicht schlauer als vorher, aber welch eine Demonstration von überlegener philosophischer Kompetenz! Egal jetzt wird es ernst:

  • „Ab sofort wird die Piratenpartei an den gleichen Maßstäben gemessen wie die anderen Parteien, etwa wie seinerzeit die Grünen bei ihrer Gründung.“

Was soll ich sagen, wenn wir die Messlatte auf Unionshöhe legen, schafft es sogar ein Rollstuhlfahrer darüber, ohne zu reißen.

  • „Die erste Frage, die eine demokratische Öffentlichkeit stellt, zielt nicht auf das Programm, sondern auf den politischen Charakter einer Partei“

Äh … hallo Union, hallo SPD?

  • „Und da ist es äußerst problematisch, fast schon erschreckend, welches politische Schlachtfeld sich die Piratenpartei für ihre Initation ausgesucht hat. … Die Wahl des Themas Kinderpornografie als Exerzierfeld des Neuen ist nach normalen politischen Maßstäben verrückt“

Noch mal zum Kugelschreiber aufs Papier drücken für die ganz undifferenziert Betroffenen! Es geht nicht um Kinderpornografie, sondern um Internetzensur! Und das Feld hat sich auch bis auf unsere Familienministerin keiner ausgesucht! Wer etwas Verteidigt kann sich den Kampf nicht aussuchen! Aber egal, vergrößern wir derweil noch etwas den Graben zwischen den „Analogen“ und „Digitalen“. Falls sich jetzt jemand fragt wie man diese beiden Menschengruppen unterscheidet, ich vermute für die Digitalen ist neben der blassen Haut der USB2.0 Anschluss auf der Stirn. Man sollte demnächst darauf achten wenn man sich in der Öffentlichkeit bewegt. Apropos:

  • „Diese Analogen glauben auch nicht das sie jemals unter … der Kampagne gegen Kinderpornografie im Netz zu leiden hätten.“

Wie auch, man ist ja Analog!

  • “Schließlich nehmen sie diese extremen Ängste der Leuten nicht ab, die ihr eigenes Leben per Social Network und Twitter bedenkenlos vor aller Welt ausbreiten“

… wie zum Beispiel Franz Müntefering, ein ganz junger Netzaffiner. Aber hier wird auch nicht erwähnt das derlei Veröffentlichungen einen noch nicht entrechtet, schon gar nicht das Recht am eigenen Bild. Wäre schlecht für die alten Nachrichtenmedien, die sich da gerne ungefragt von den Fotos der Opfer bedienen.

  • „Die Zweite Frage an eine neue Partei lautet: Wer sind denn die, sind die politisch koscher“

Ist genau genommen die erste Frage nochmal, nur nochmal mit eigenen Worten formuliert, was für eine große Überraschung wenn da nochmal die KinderSexKiste aufgemacht wird. Meh!

  • „Ohnehin Fragt man sich, ob die Piraten so etwas sind wie die Grünen, also für die Rechte Dritter streiten, oder so etwas wie die Autopartei, die nur freie Fahrt für sich selbst will und darum keinerlei Resonanz findet.“

Ohnehin frage ich mich, für wen die SPD eigentlich streitet wenn sie es schon nicht mehr für ihre Stammwähler tut, oder warum überall versucht wird die Piratenpartei zu denunzieren und gleichzeitig eine so große Angst vor ihr zu haben.

Oder ob der Autor mit dem ganzen Thema nicht ein klein wenig überfordert ist.