2009
07.13

Verklärung der Wirklichkeit

Wir erinnern uns, der Onkel Hubert und der Onkel Axel hätten das böse Internet ein wenig anders als es zur Zeit ist. Aber, verstehe wer will, irgendwie scheint sich keiner für ihre Nöte und Sorgen zu interessieren. Also haben sie noch ein paar Jammerlappen Leidensgenossen dazu gerufen und die Hamburger Verklärung abgegeben. Mann muss schon genau lesen, um zu Verstehen, was darin wirklich steht:

“das Internet ist für den Journalismus eine große Chance.”

… die wir leider schon verpasst haben.

“Zahlreiche Anbieter verwenden die Arbeit von Autoren, Verlagen und Sendern ohne dafür zu bezahlen.”

So machen wir das zumindest!

“Das bedroht auf Dauer die Erstellung von Qualitäts-Inhalten und von unabhängigen Journalismus.”

… denn wir beuten unsere Mitarbeiter so sehr aus, dass sie keine Zeit mehr haben, die abgeschriebenen Inhalte zu überprüfen.

“Freier Zugang zu Webseiten bedeutet nicht zwingend kostenloser Zugang.”

Freiheit ist nämlich die Freiheit des Geldes, so lange es zu uns fließt.

“Im Internet darf es keine Rechtsfreien Zonen geben.”

Hauptsache, wir haben Recht!

“Am Ende muss auch im World Wide Web gelten, keine Demokratie gedeiht ohne unabhängigen Journalismus.”

Wir sind so am Arsch, bitte helft uns! BITTEEE!!!

2009
07.12

mit Pappkanonen auf Spatzen

Und ich dachte schon, ich hätte den schlechtesten Pro-Atomstromartikel gelesen. Aber beim Desinformationsdienst SPON fand sich eine Journalistin Schrifftstellerin, die es schafft, auf 2 Seiten nichts als billiges Gesülzblabla von sich zu geben. Zugegeben, was soll man auch von einer promovierte Politikwissenschaftlerin und Kriminalromaneschreiberin erwarten. Ich vermute, der Verkauf der Thriller ist nicht besonders lukrativ, so dass man sich als bezahlter Claquer ein Zubrot verdienen muss. Das ist so leyenhaft, da kann ich nicht widerstehen:

„Ja, im Ausland lacht man über die deutsche Atomangst, spricht vom deutschen “Sonderweg”, …”

Das ist ein besonders stichhaltiges Argument, wir Deutschen mögen es ja überhaupt nicht wenn andere über uns lachen, schon deswegen sollten wir an der verstrahlten Zukunft festhalten. Hauptsache wir werden nicht gedisst.

…nennt es Doppelmoral, dass die Deutschen von Wind und Sonne und sonst gar nichts leben wollen, aber in der Zwischenzeit ihren Atomstrom aus Frankreich beziehen “

*neeeet* Falsch! Genau genommen ist Deutschland Nettostromexporteur, aber wenn man mit Romaneschreiben beschäftigt ist, kann das schon mal untergehen. Lieber uralte Mythen nachblöken, als selber mal recherchieren. Aber ein wenig Verunsicherung scheint zu existieren. Also nochmal die Auslandskeule rausgeholt:

“Und Schweden ist Anfang des Jahres sogar aus dem Ausstieg ausgestiegen.”

Nur so zum mitgriffeln: Deutschlandist nicht Schweden, nicht Frankreich und auch nicht Italien. Aber gut, dass wir noch ein paar Klischees über die Deutschen aus dem Keller zerren:

“Trotz ist deutsche Kernkompetenz. Weshalb uns auch die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen nicht schreckt. “

Welch feinhumorige Ironie! Wenn Atomstrom die Lösung sein soll, hätte ich gern das Problem wieder. Mann kann damit nämlich keine Gasboiler betreiben. Übrigens als Geheimtipp, die Lösung für das Erdgasproblem ist Biogas.

“Das Problem der Endlagerung radioaktiver Abfälle wartet schon seit Jahrzehnten auf eine seriöse Lösung.”

Ein Eigentor als rhetorische Stilmittel. So sehen echte Sieger aus. Warum mach ich mir hier die Mühe?

“Vor allem der Kalte Krieg hatte verheerende Folgen für die Wahrnehmung der Deutschen in West wie Ost: Jahrelang war Gesamtdeutschlands Rolle im Fall der Fälle klar. Es war als Austragungsort eines atomaren Schlagabtauschs vorgesehen und deshalb ein sicherer Kandidat für die Vernichtung.”

Nochmal der Mythos, der „German Angst”. Was sind wir auch für Feiglinge!

Nicht Deutschland war als Austragungsort der atomaren Winterspiele gedacht, sondern der ganze Planet! Sollte man eigentlich wissen wenn schon man zur Zeit des kalten Krieges auf der Welt war. Nebenbei, die atomare Endzeithysterie war in den USA ungleich höher.

“Nein, die friedliche Nutzung der Kernenergie hatte in Deutschland Ost wie West nie gute Karten, obwohl man in China wie in der DDR oder der Sowjetunion behauptete, im Sozialismus, also in den Händen des Volkes, sei Atomstrom sicher.”

Ok, Politikwissenschaft studieren bedeutet offensichtlich nicht, etwas von politischen Systemen zu wissen. Oder ich habe die Ironie nicht erkannt. Anders kann ich mir die Behauptung nicht erklären, dass im Sozialismus irgendwas in den Händen des Volkes gelegen haben soll.

“Auch deshalb sind Sonnen- und Windenergie bei uns so beliebt. Nicht nur, weil sie “klimaneutral” und “erneuerbar” sind, sondern weil sie nichts anderes als die “reine Natur” zu sein scheinen.

Was für ein gequirlter Unsinn.

“Und verdrängen, dass hierzulande auf längere Sicht weder Wind- noch Sonnenenergie rentabel sind - noch gar die Grundversorgung garantieren können.”

Die Betreiber von Wind- und Solarparks machen gutes Geld, die Hersteller auch. Weltweit sind Erneuerbare Energien der am stärksten wachsende Markt.  Aber ansonsten ist das alles vollkommen unrentabel, stimmt!

“Immerhin gibt es leuchtende verstrahlte Beispiele:”

In dem Satz oben war ein Tippfehler, ich habe ihn korrigiert.

“In den USA ist eine frühere Anti-Atomkraft-Aktivistin, die Journalistin Gwyneth Cravens, mittlerweile davon überzeugt, es mit der sichersten Energieform der Welt zu tun zu haben.”

Die sicherste Energieform???

[180 Sekunden Wirkungspause]

Klasse, so eine Gehirnwäsche schaffen echt nur Außerirdische, Sekten oder die Mafia. Und ich dachte, wir haben es nur mit einer Lobby zu tun. Besagte “Journalistin” schreibt übrigens, welch Überraschung, Romane.

“Der Grund? Gespräche mit Wissenschaftlern und Ingenieuren bei Besuchen in Atomkraftwerken.”

Ob sie jemand auch durch Three Mile Island geführt hat, oder Tschernobyl, oder Majak? Vielleicht sollte sie mal Gespräche mit diesen Kindern führen!

“Darauf muss man erst mal kommen.”

2009
07.11

Schwarzer Krümelrand

Da sorgt das Atomkraftwerk mit dem lustigen Namen unglücklicherweise mitten im Wahlkampf für wiederholte Schlagzeilen, schon krümelt zerfällt die Unterstützung der Union für unsere strahlende Zukunft. Kein Wunder, sind angeblich 68% der Unionwähler dafür, die älteren Meiler sofort abzuschalten, ohne dabei genau zu wissen wie alt sie nun wirklich sind, die Saurier.

Damit meine ich übrigens die Atomkraftwerke.

Wenn man sich also entscheiden ausrechnen muss, welcher Verlust schmerzhafter ist, der Entzug der Wählergunst oder die Bestechungsgelder der AKW-Lobby, wachen auch die alten schwarzen Herren langsam auf. Selbst ein Ole von Beust, dem Umweltaspekte normalerweise erstmal buchstabiert werden müssen, versucht mit dem alten Partei-Seelenverkäufer, die gefährlichen Klippen Vattenfall und Konsorten zu umschiffen. Vielleicht hat die Zwangszweckehe mit der grünen Braut seit der letzten Wahl etwas Wirkung auf sein verklärtes Weltbild. Selbst Roland Koch sagt dazu: “Die Dummheit der Energiekonzerne in ihrer Kommunikation ist kaum noch beschreibbar”. Mann muss wissen, Roland Koch ist Experte was es das angeht.

Damit meine ich übrigens die Dummheit der Kommunikation.

Aber es gibt auch Provinzherrscher, die an Atommeiler und Endlager festhalten, so lange sie nur weit genug weg sind. Für Peter Ramsauer hat der Fall Krümmel bewiesen, dass die Technik der Notabschaltung funktioniere. Er hat zwar keine Ahnung, das eine Notabschaltung ein bisschen wie Notlandung bei Schneesturm und ohne Treibstoff ist. Aber gut, dass Vattenfall so etwas regelmäßig testet. Warum macht die Lufthansa das nicht eigentlich auch um das Sicherheitsgefühl ihrer Passagiere zu fördern?

Immerhin sind deutsche Kernkraftwerke die sichersten der Welt, bewiesenermaßen!

Das gibt mir ein voll gutes Gefühl, irgendwie….

2009
07.10

Zugegeben, ich wollte mich hier mit Youtube-Filmchen eher zurückhalten.

Aber dieser Spot der PP ist die erste Parteiwerbung im Superwahljahr ohne komatöse Nebenwirkungen:

2009
07.09

Heise-DoS

Heise.de hat heute einen Artikel über eine neue ePetition veröffentlicht. Diesmal geht es gegen das Verbot von Killerspielen.  Der Petitionsserver ist danach auch mal gleich zusammengebrochen. Sowas nennt man auch eine Heise-DoS-Attacke.  Eine Mitzeichnung ist natürlich schon aus Prinzip zu empfehlen.

2009
07.08

Zukunft von gestern

In letzter Zeit mehren sich die Vorschläge von ewig Gestrigen verschiedenen Experten wie man diese böse Welt, also die böse virtuelle Welt natürlich, besser machen soll. Diesmal ist es der nette Herr Manfred Pohl vom Frankfurter Zukunftsrat, der da fordert: “Gewaltvermittlung so teuer [zu] machen, dass es sich nicht mehr lohnt”

[180 Sekunden Pause]

Was soll das sein, ein schlechter Witz, ein dreister Scherz?
Das ist so blöd, daß selbst mir kein ausreichend sarkastischer Spruch dazu einfällt.
Haben wir es inzwischen wirklich mit einer Massenhysterie der Internetphobiker zu tun die vor grassierender moral panic nur noch mit dem Kopf gegen die Wände laufen?

[180 Sekunden Pause]

Bleiben wir also zurückhaltend kritisch und schauen uns mal den Frankfurter Zukunftsrat genauer an. Sind die denn koscher?

Da haben wir als populärsten Namen Wolfgang Clement, Ressortleiter für Politik und Wirtschaft.

Falls jemand nicht sonderlich viel mit der Personalie anfangen kann, dieser Herr ist ein entschiedener Gegner des gesetzlichen Mindestlohns, hält einen großen Teil der ALG2-Bezieher für Sozialschmarotzer und drohte mit Austritt aus der eigenen Partei, wenn diese es wagen sollte, sich irgendwelchen linken Parteien anzunähern. Nur dass wir uns nicht falsch verstehen, Wolfgang Clement ist kein Mitglied der Union oder FDP. Nein, dieser Mann hat ein Parteibuch der SPD!

Das hätte er auch fast abgeben müssen, weil er der Frau Ypsilanti den Dolchstoß geben wollte, denn sie war gegen neue Braunkohle- und Atomkraftwerke in Hessen. Warum er das wohl gemacht hat? Es hat ganz sicher nichts damit zu tun, dass er Vorstand bei RWE ist.

Das verschafft uns ein grobes Bild, wie sich der Frankfurter Zukunftsrat die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands so vorstellt.

Unter der Leitung von Dr. Bernhard Bueb stehen Erziehung und Bildung. Der ehemalige Leiter des Elitegymnasiums Salem erregte Aufsehen durch seine zwei Bücher „Lob der Disziplin” und „Von der Pflicht zu Führen” in denen er die Disziplinierung der Jugend durch Bestrafung propagiert. So etwas kann man auch als schwarze Pädagogik bezeichnen.

Dazu passt auch die die nächste Aussage des Herrn Pohl wie ein Schlag auf den Hinterkopf des einfältigen Schülers:

“So sei ein Pflichtfach “Wirtschaft” mit Schwerpunkt Unternehmenskultur in den Schulen überfällig. “Das Wissen um wirtschaftliche Zusammenhänge ist blamabel”, sagte Pohl auf einer Podiumsdiskussion. ….”

Böse Zungen würden sowas jetzt als Zwangserziehung zu neoliberalen Wirtschaftssklaven nennen, oder so ähnlich.

Und ich würden sagen, dass der Frankfurter Zukunftsrat nichts weiter als eine abgehalfterte Lobbygruppe ist, um uns alle vor den Karren des Raubtierkapitalismus zu spannen. Im Sinne einer Leistungsgesellschaft die nur diejenigen zu Gewinnern macht, die es sich eben leisten können, darf auch die Gewalt der Medien nur noch von denen ungezügelt konsumiert werden, deren Blutgeld ausreichend vorhanden ist.

Mal sehen, wann einer der Moorleichen Experten der Meinung ist,  schlechte Laune sollte man so teuer machen, daß es sich nicht mehr lohnt.

2009
07.07

Was haben der Hubert, der Dieter und der Axel gemeinsam?

Genau, das so Onkels die ihre besten Zeiten hinter sich haben, ein wenig überfordert vom Thema Internet sind und jammern können wie … naja, das können sie eben besonders gut.

Was der Hubert möchte, das hatte ich ja schon mal kommentiert, was der Dieter will, das hat Stefan noch besser kommentiert. Dem ist wirklich Nichts hinzu zu fügen. Bleibt also der Axel. Der besitzt die Bildzeitung und die ist, wie wir alle wissen, der Inbegriff des qualitativ hochwertigen Journalismus.

Und was sagt das Sprechrohr des Onkel Axel denn nun genau?

  • „Mit Blick auf Paid-Content-Modelle wies der Springer-Manager auf GEMA-ähnliche Lösungen hin.“

Die GEMA ist so ein Verein, der sich um die Weiterverwertung des Sondermülls von Musikern sorgt, die ihre besten Zeiten hinter sich haben.  So zum Beispiel über Pauschalabgaben für CD-Rohlinge, egal ob darauf deren Musik kopiert wird, oder eben anderer Müll. Der Axel möchte also eine Zwangsabgabe auf Computer.

“Davon könnten auch journalistische Angebote profitieren”, sagt das Sprechrohr.
Finden wir gut, dann wird die Bildzeitung noch besserererer als sie eh schon ist. Oder etwa nicht?

Als Nächstes kommen bestimmt auch Onkel EON und Onkel Vattenfall und wollen eine GEMA-ähnliche Lösung für alle Elektrogeräte. Für den qualitativ hochwertigen deutschen Strom. Bevor jemand auf die Idee kommt, minderwertigen Strom aus Polen zu beziehen.

Danach die Onkels, die in der Wüste auf dem Öl sitzen, mit einer GEMA-ähnlichen Lösung für Automobile. Alles nur, um noch besseres Öl anbieten zu können. Wobei, die Männer in den Bettlaken sind doch subtiler und kaufen sich direkt bei Porsche ein.

Gut, wir sind dann doch nur mäßig beeindruckt von den Vorschlägen.  Wirklichkeitsfremd ist dafür der angemessene Euphemismus,denke ich. Aber bestimmt sagt das Sprechrohr des Onkel Axel noch was Tiefgreifendes und Bodenständiges, das uns überzeugt:

  • „Als wesentliche Treiber im Werbemarkt sieht [das Sprechrohr] in der Zukunft Performance Marketing mit attraktiven ROI-Modellen sowie Targeting angesichts eines starken Mehrwertes für Kunden und einer Erhöhung der TKP.“

BINGO!