07.15
Das Feld der Sachliteratur ist weit und auf ihm findet sich im Allgemeinen mehr herbizidresistentes Unkraut als verwertbare Geistesnahrung. Den meisten Leser scheint auch das Erstere gut zu schmecken, wenn man die Bestsellerlisten zum Maßstab erhebt. Meistens handeln sie davon, wie doof die aktuelle Generation ist, wie glücklich man eigentlich mit weniger selbst gemachten Problemen sein könnte und die Ernährung im Guten und Schlechten. Literatur perfektioniert für das Leben von Wiederkäuern. Leider gehen die wirklich nahrhaften Bücher nicht so gut weg, was vielleicht daran liegen mag, dass sie für gewöhnlich bitter schmecken, geistige Mitarbeit erfordern und, vom Erkenntnisgewinn abgesehen, nicht für Glücksgefühle sorgen.
Nehmen wir heute als Beispiel: „CIA - Die ganze Geschichte”.
Vom Auslandsgeheimdienst der USA hat man im Allgemeinen schon einiges gehört und sich auch seine eigene Meinung gebildet. Das Buch dazu beschreibt trocken und sachlich die 60 Jahre seit der Gründung dieser Einrichtung, in der sich Katastrophen aneinander reihten wie Perlen auf einer Kette. Der Autor deckt dabei auf, warum ein so reichhaltig ausgestatteter Machtapparat so sehr versagen musste. Ein auf Verheimlichung und Selbstüberschätzung basierendes Bürokratiegeschwür, welches nur Inkompetenz, Lügen und Intrigen hervorbrachte. Dass die eigentlichen Aufgaben der bloßen Informationsgewinnung und -verarbeitung nie im Interesse der Verantwortlichen lagen, sondern die sogenannten „verdeckten Operationen”, um das Ausland nach eigenen Vorstellungen zu beeinflussen. Diese Operationen waren allesamt so erschreckend schlampig und mit schockierender Naivität ausgeführt, dass sie fast ausnahmslos scheiterten. Teilweise waren sie geradezu selbsterfüllende Prophezeiungen, die genau das Ergebnis herbeiführten, welches man eigentlich vermeiden wollte. Das Debakel in der Schweinebucht zur Eroberung Kubas mag da eines der bekanntesten sein, war jedoch nur beispielgebend für eine große Reihe anderer, die im Buch aufgezählt sind. Trotz der so gegeben Wiederholung der Pleiten-, Pech- und Pannengeschichten bleibt die Lektüre ungemein aufschlussreich und quillt geradezu über von Hintergrundinformationen. Leider muss man selber auch einiges an erweitertem Grundwissen über die letzten 60 Jahre Weltpolitik aufweisen, um nicht verloren zu gehen im schnellen Schnitt der vielen Schauplätze. Danach ist man aber um die Erkenntnis schlauer, dass ein Machtapparat mit fast unbegrenzten Mitteln die gesteckten Ziele nicht erreicht, wenn er nicht auf Kompetenz als Fundament ruht.
CIA Die ganze Geschichte
Tim Weiner
S. Fischer Verlag