07.02
Seitdem die Piratenpartei an der Europawahl teil genommen hat, steht sie nun in einem besonderen Interesse der … sagen wir mal alten Medien. Dabei ist nicht nur die Bildzeitung in ihrer Berichterstattung erwartungsgemäß unterirdisch, nein selbst in Blättern, die sich noch offen mit Qualitätsjournalismus meritieren. Heute hat also die Zeitung der Zeit einen neuen Beitrag über das Thema mit dem Titel: „Die Piraten werden politisch“ veröffentlicht. Gern würde ich euch einen Link zu diesem Artikel präsentieren, aber leider gibt es ihn anscheinend nur auf Papier und nicht auf www.zeit.de. Was schon einiges an Aussagekraft hat über die Qualität des Artikels hat. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als ein paar Sätze raus zu picken und angemessen auf meine besonders charmante Art zu würdigen.
Der Autor schafft auch es schon im 2. Absatz den üblichen Unsinn über die Piraten von sich zu geben:
- “Den Piraten geht es … um die Abschaffung geistigen Eigentums, also um das Recht, Musik, Filme oder Texte kostenlos zu kopieren“.
Ein wenig mehr Investigation im Parteiprogramm hätte aufgezeigt, das hier mitnichten das geistigen Eigentum einfach so abgeschafft werden soll. Wahrscheinlich ist es auch zu viel verlangt, dem Leser die feinen Unterschiede zwischen Urheberrechte, Verwertungsrechte und Kopierrechte zu erklären. Stattdessen wird man schon im nächsten Satz sehr Metaphilosophisch:
- „Übersetz für uns ältere: ein wenig Proudhon (Sozialismus), versetzt mit Bakunin (Arnachie) und Foucault (Sympathie für Abweichungen)“
Jetzt sind wir auch nicht schlauer als vorher, aber welch eine Demonstration von überlegener philosophischer Kompetenz! Egal jetzt wird es ernst:
- „Ab sofort wird die Piratenpartei an den gleichen Maßstäben gemessen wie die anderen Parteien, etwa wie seinerzeit die Grünen bei ihrer Gründung.“
Was soll ich sagen, wenn wir die Messlatte auf Unionshöhe legen, schafft es sogar ein Rollstuhlfahrer darüber, ohne zu reißen.
- „Die erste Frage, die eine demokratische Öffentlichkeit stellt, zielt nicht auf das Programm, sondern auf den politischen Charakter einer Partei“
Äh … hallo Union, hallo SPD?
- „Und da ist es äußerst problematisch, fast schon erschreckend, welches politische Schlachtfeld sich die Piratenpartei für ihre Initation ausgesucht hat. … Die Wahl des Themas Kinderpornografie als Exerzierfeld des Neuen ist nach normalen politischen Maßstäben verrückt“
Noch mal zum Kugelschreiber aufs Papier drücken für die ganz undifferenziert Betroffenen! Es geht nicht um Kinderpornografie, sondern um Internetzensur! Und das Feld hat sich auch bis auf unsere Familienministerin keiner ausgesucht! Wer etwas Verteidigt kann sich den Kampf nicht aussuchen! Aber egal, vergrößern wir derweil noch etwas den Graben zwischen den „Analogen“ und „Digitalen“. Falls sich jetzt jemand fragt wie man diese beiden Menschengruppen unterscheidet, ich vermute für die Digitalen ist neben der blassen Haut der USB2.0 Anschluss auf der Stirn. Man sollte demnächst darauf achten wenn man sich in der Öffentlichkeit bewegt. Apropos:
- „Diese Analogen glauben auch nicht das sie jemals unter … der Kampagne gegen Kinderpornografie im Netz zu leiden hätten.“
Wie auch, man ist ja Analog!
- “Schließlich nehmen sie diese extremen Ängste der Leuten nicht ab, die ihr eigenes Leben per Social Network und Twitter bedenkenlos vor aller Welt ausbreiten“
… wie zum Beispiel Franz Müntefering, ein ganz junger Netzaffiner. Aber hier wird auch nicht erwähnt das derlei Veröffentlichungen einen noch nicht entrechtet, schon gar nicht das Recht am eigenen Bild. Wäre schlecht für die alten Nachrichtenmedien, die sich da gerne ungefragt von den Fotos der Opfer bedienen.
- „Die Zweite Frage an eine neue Partei lautet: Wer sind denn die, sind die politisch koscher“
Ist genau genommen die erste Frage nochmal, nur nochmal mit eigenen Worten formuliert, was für eine große Überraschung wenn da nochmal die KinderSexKiste aufgemacht wird. Meh!
- „Ohnehin Fragt man sich, ob die Piraten so etwas sind wie die Grünen, also für die Rechte Dritter streiten, oder so etwas wie die Autopartei, die nur freie Fahrt für sich selbst will und darum keinerlei Resonanz findet.“
Ohnehin frage ich mich, für wen die SPD eigentlich streitet wenn sie es schon nicht mehr für ihre Stammwähler tut, oder warum überall versucht wird die Piratenpartei zu denunzieren und gleichzeitig eine so große Angst vor ihr zu haben.
Oder ob der Autor mit dem ganzen Thema nicht ein klein wenig überfordert ist.